Category Archives: Israel

Das Recht der Bulldozer

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Al-Araqib ist ein nicht anerkanntes Beduinendorf in der Negev-Wüste. Israel beansprucht das Land für sich – und walzte den Ort ohne Erbarmen nieder. Vom Kampf einer Minderheit.

Dieser Trümmerhaufen war einst Abdallah Abu Mdagims Haus - bevor die Bulldozer der Israelischen Landbehörde kamen Foto: Kobi Wolf

Dieser Trümmerhaufen war einst Abdallah Abu Mdagims Haus - bevor die Bulldozer der Israelischen Landbehörde kamen Foto: Kobi Wolf

Eigentlich könnte Abdallah Abu Mdagim einfach wegziehen. Er könnte sich ein Haus kaufen, im nahen Ashdod an der israelischen Mittelmeerküste und mit seiner Frau und den zehn Kindern die Wüste hinter sich lassen. Sein schwarzer Mercedes S-Klasse steht blankgewienert im Staub neben der dürftig zusammengezimmerten Hütte aus Holzlatten und Plastikplane. Dem Wagen nach zu urteilen scheitert es nicht am Geld. Doch Abdallah Abu Mdagim will sein Dorf nicht verlassen.

“Das ist mein Land”, sagt der 41-jährige Beduine mit der Fliegersonnenbrille und dem buschigen Schnauzbart, der ihm fast bis zu den Ohren reicht. Er wolle sich nicht vertreiben lassen, egal was passiert. Der Satz klingt nach einer leeren Drohung angesichts des großen Haufens aus Schutt und Zementbrocken, der von seinem Haus übrig geblieben ist.

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Aloha Gaza

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»Surfing for Peace«: Der Gaza Surf Club hat beste Freunde in Israel und Amerika.

Surfer im Gaza-Streifen: Im Wasser wird der Streit um Land unwichtig. Foto: Fredy Gareis

Surfer im Gaza-Streifen: Im Wasser sind alle Konflikte um Land egal. Foto: Fredy Gareis

Jede Minute draußen auf dem Meer ist eine Minute gewonnener Freiheit. Der 31-jährige Palästinenser Achmed Abu Hassira surft jede Welle, die ihm unters Brett kommt. Jeden Tag, egal wie das Wetter ist. »In Gaza gibt es keine Zukunft«, sagt er, »aber auf dem Meer fühle ich mich frei«, auf dem Meer vor der Küste des seit vier Jahren von Israel abgeriegelten Gazastreifens.

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Der Siedler aus Uetersen

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David zieht zum Studium von Schleswig-Holstein in eine israelische Siedlung im Westjordanland. Plötzlich ist er ein Teil des Nahostkonflikts

David Gruss an der Sperranlage um die jüdische Siedlung Ariel im Westjordanland Foto: Malin Schulz

David Gruss an der Sperranlage um die jüdische Siedlung Ariel im Westjordanland Foto: Malin Schulz

David Gruss ist kein Mensch, der gegen das Unvermeidliche rebelliert. Die Baustelle vor seinem Fenster beschäftigt die ganze Welt: Barack Obama, die Europäische Union, die Vereinten Nationen. Unablässig ringen sie mit der Regierung Israels darum, wo in dem konfliktgeplagten Landstrich gebaut werden darf und wo nicht. Die Frage gilt als Schlüssel zu einem Frieden im Nahen Osten. Für David ist sie zunächst einmal eine Frage des Ausblicks. Früher konnte er von seinem Balkon das Meer sehen, das Glitzern der Wellen in der Sonne, davor die Hochhaustürme von Tel Aviv. Jetzt versperren ihm drei butterkeksfarbene Mehrfamilienhäuser die Sicht. Schade findet er das, »aber man kann es nicht ändern«.

David ist in Uetersen aufgewachsen, einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein mit Backsteinhäusern, Blumenrabatten und einem Heimatmuseum, das die Geschichte Uetersens seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert. Jetzt ist er 25 und lebt in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland, die kaum älter ist als er selbst. Ariel hat 18 000 Einwohner und liegt 20 Kilometer hinter der sogenannten Grünen Linie, der Waffenstillstandslinie von 1949, und damit offi ziell nicht mehr auf israelischem Gebiet. Nach dem Völkerrecht sind Orte wie Ariel illegal. Und weil David in Ariel wohnt, ist auch er, der junge Jude aus Norddeutschland, plötzlich ein Siedler im Westjordanland geworden, einer von denen, über die man auf der ganzen Welt spricht.

Mehr über David Gruss, den Siedler aus Uetersen in der aktuellen Ausgabe von Zeit Campus