Früher kämpften sie mit Gewalt gegeneinander. Heute haben die Mitglieder der Israelisch-Palästinensischen Friedensinitiative Combatants for Peace die Waffen nieder gelegt. Mit ihrem „Theater der Unterdrückten“ spielen sie gegen die Israelische Besatzungspolitik an.
Der echte Soldat (re.) befiehlt dem falschen, das Militärhemd auszuziehen. Israelische Uniformen sind für Palästinenser verboten - auch im Theater. Foto: Kobi Wolf
Es dauert keine halbe Stunde, dann verliert der diensthabende Offizier die Nerven. „Schluss mit dem Theater“, brüllt er und stürzt mit wenigen, weit ausholenden Schritten auf die Schauspieler zu. „Zieh das Militärhemd aus“ befiehlt er barsch, das Gesicht bedrohlich nahe vor dem von Munir, der mit zitternden Händen beginnt, sein olivgrünes Oberteil aufzuknöpfen. Munir ist Palästinenser aus dem Westjordanland und Schauspieler in der Theatergruppe der Combatants for Peace – der Kämpfer für den Frieden. Der Offizier der israelischen Armee dagegen ist echt. Dass Munir eine israelische Uniform trägt, verstoße gegen das Gesetz, sagt der Offizier. Sein Wort zählt. Ein kurzer Tumult, ein hitziges Wortgefecht, dann dürfen die Schauspieler fortfahren – ohne Uniform. Doch wer in dem Stück Soldat, wer Palästinenser ist, das ist auch ohne die Militärhemden klar.
Wie die meisten jungen Israelis war Yermi Brenner, 29, noch nie im von den Palästinensern kontrollierten Westjordanland. Für ein Interview fährt der Videojournalist zum ersten Mal nach Ramallah – und überwindet nur mit Mühe seine Angst vor dem unbekannten Feind.
Videojournalist Yermi Brenner, 29, bei seinem ersten Besuch im von Palästinensern kontrollierten Westjordanland
Yermi Brenner steht mit seinem Auto in der Schlange am Checkpoint und hat Angst. Angst vor der Ungewissheit dessen, was ihn erwartet, Angst vor den Bildern in seinem Kopf. Zum ersten Mal in seinem Leben fährt der 29-jährige Israeli in das von Palästinensern kontrollierte Westjordanland. Nach Ramallah, in die temporäre Hauptstadt der Palästinenser, in die sich im Oktober 2000 zwei israelische Reservesoldaten verirrten. Eine wütender palästinensische Menschenmenge schlug den beiden die Schädel ein und schleifte ihre Leichen triumphierend durch die Stadt. Seit dem hat sich einiges verändert: Israel errichtete einen Sperrzaun zwischen sich und das Westjordanland. Palästinensische Selbstmordanschläge hat es in Israel seit Jahren nicht mehr gegeben. Trotzdem umklammern Yermis Hände angespannt das Lenkrad, während er langsam auf den Checkpoint zwischen Jerusalem und Ramallah zurollt. Als sich ein junger israelischer Soldat mit Maschinengewehr und grünem Helm ans Fenster beugt, ruft er erleichtert: „Hallo! Wie geht’s!“ Dann winkt der Soldat ihn durch. Yermi hat das israelische Staatsgebiet verlassen.