Tag Archives: Jüdische Siedler

Der Siedler aus Uetersen

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David zieht zum Studium von Schleswig-Holstein in eine israelische Siedlung im Westjordanland. Plötzlich ist er ein Teil des Nahostkonflikts

David Gruss an der Sperranlage um die jüdische Siedlung Ariel im Westjordanland Foto: Malin Schulz

David Gruss an der Sperranlage um die jüdische Siedlung Ariel im Westjordanland Foto: Malin Schulz

David Gruss ist kein Mensch, der gegen das Unvermeidliche rebelliert. Die Baustelle vor seinem Fenster beschäftigt die ganze Welt: Barack Obama, die Europäische Union, die Vereinten Nationen. Unablässig ringen sie mit der Regierung Israels darum, wo in dem konfliktgeplagten Landstrich gebaut werden darf und wo nicht. Die Frage gilt als Schlüssel zu einem Frieden im Nahen Osten. Für David ist sie zunächst einmal eine Frage des Ausblicks. Früher konnte er von seinem Balkon das Meer sehen, das Glitzern der Wellen in der Sonne, davor die Hochhaustürme von Tel Aviv. Jetzt versperren ihm drei butterkeksfarbene Mehrfamilienhäuser die Sicht. Schade findet er das, »aber man kann es nicht ändern«.

David ist in Uetersen aufgewachsen, einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein mit Backsteinhäusern, Blumenrabatten und einem Heimatmuseum, das die Geschichte Uetersens seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert. Jetzt ist er 25 und lebt in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland, die kaum älter ist als er selbst. Ariel hat 18 000 Einwohner und liegt 20 Kilometer hinter der sogenannten Grünen Linie, der Waffenstillstandslinie von 1949, und damit offi ziell nicht mehr auf israelischem Gebiet. Nach dem Völkerrecht sind Orte wie Ariel illegal. Und weil David in Ariel wohnt, ist auch er, der junge Jude aus Norddeutschland, plötzlich ein Siedler im Westjordanland geworden, einer von denen, über die man auf der ganzen Welt spricht.

Mehr über David Gruss, den Siedler aus Uetersen in der aktuellen Ausgabe von Zeit Campus

Die vergessenen Siedler

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Vor fünf Jahren räumten israelische Soldaten den Siedlungsblock Gush Katif im Gaza-Streifen. Viele der ehemaligen Bewohner warten immer noch auf ein neues Zuhause

Hier soll Dikla Cohens neues Haus bald stehen.

Nicht in Gaza, dafür mit Panoramablick aufs Westjordanland: Hier soll Dikla Cohens neues Haus bald stehen. Die Siedlerin will lieber zurück nach Gush Katif.

Widerwillig blickt Dikla Cohen von der staubigen Straße aus auf die planierte Geröllfläche. Hier soll bald ihr neues Haus entstehen. 500 Quadratmeter auf zwei Etagen. Am Osthang eines Hügels, von dem aus man die Palästinensergebiete überblicken kann. In Mitten der bislang relativ unbewohnten Lachisch-Gegend in Israel. „Eigentlich will ich gar nicht mit dem Bau beginnen“, sagt Cohen missmutig. „Denn dann muss ich ein Kapitel schließen, mit dem ich noch gar nicht fertig bin.“

Das Kapitel heißt Gush Katif. Vor genau fünf Jahren, zwang die israelische Armee rund 8.800 jüdische Siedler, die bis dahin in 21 Siedlungen im Gazastreifen gelebt hatten, ihre Häuser zu verlassen. Dikla Cohen war eine von ihnen. Nach langer politischer Diskussion, über der sogar die damalige Regierungspartei Likud zerbrach, hatte das israelische Kabinett den so genannten „einseitigen Abzugsplan“ des damaligen Ministerpräsidenten Ariel Sharon gebilligt. Der Plan sah vor, alle israelischen Siedlungen im Gazastreifen und vier israelische Siedlungen im Westjordanland zu räumen. Einige Siedler gingen freiwillige. Dikla Cohen, ihr Ehemann und ihre neun Kinder weigerten sich. Soldaten mussten die Türe zu ihrem Haus eintreten und die 11-köpfige Familie ins Freie tragen. „Ich wollte nicht, dass mir meine Kinder eines Tages Vorwürfe machen, dass ich sie aus Gush Katif weggebracht habe“, erklärt Cohen. „Sie sollten mit eigenen Augen sehen, dass es israelische Soldaten waren, die uns vertrieben haben.“

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Proteste gegen Hausräumungen in Ostjerusalem

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Araber und linke Juden demonstrieren im Ostjerusalemer Stadtteil Sheikh Jarrah gegen die Vertreibung palästinensischer Familien aus ihren Häusern und gegen national-religiöse Siedler, die das Land für sich beanspruchen.

Familie Ghawi im Zelt vor ihrem Haus

Maysoon Ghawi, 43, mit ihrer zweijährigen Tochter Sara im Zelt vor ihrem ehemaligen Haus

Seit einem halben Jahr hat Nasser Ghawi sein Haus nur mehr von außen gesehen. Im August des letzten Jahres, um halb fünf Uhr morgens, kam die israelische Polizei und vertrieb den 53-jährige Palästinenser mit seiner Frau und den fünf Kindern aus seinem Haus im Ostjerusalemer Stadtteil Sheikh Jarrah. Sein Hab und Gut wurde mit einem Lastwagen abtransportiert. Seitdem sitzt die arabische Familie Tag für Tag in einem hastig aufgebauten Zelt und blickt auf die gegenüberliegende Straßenseite. In ihrem Haus wohnen jetzt national-religiöse israelische Siedler. Alle Eingänge sind versperrt. Die neuen Bewohner wollen mit niemandem sprechen, weder mit Journalisten, noch mit einem der zahlreichen Aktivisten, die sich seit der Hausräumung zur Familie Ghawi auf die Straße gesellt haben. Am Zaun und den Fenstern des Hauses flattern israelische Fähnchen im Wind.

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