Israel für Yogis und Veganer
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Morgens, wenn ich in Tel Aviv am Strand zum Joggen gehe, begegne ich stets einem weißhaarigen Mann, der mit einer winzigen blauen Badehose bekleidet, im Sand Yoga übt. Während ich von Jaffa aus, der arabischen Altstadt im Süden der Stadt, vorbei an den noch unbemannten Hochsitzen der Rettungsleute und den gestapelten Liegestühlen der Strandbars bis zu den Hoteltürmen im Norden der Stadt laufe, biegt und dehnt er seinen durchtrainiert und braun gebrannten Körper von Asana zu Asana. Als ich ihn eines Tages auf dem Rückweg zum zweiten Mal passierte, schaute er gerade im Schulterstand aufs Meer hinaus und ich fragte mich: Welche Rolle spielt Yoga eigentlich in einem Land, das seit mehr als sechzig Jahren im stetig schwelenden, bisweilen blutig eskalierenden Konflikt mit seinen arabischen Nachbarn lebt?
Verhärtete Fronten
Kaum ein Land ist so gespalten, wie Israel. Die Fronten zwischen Israelis und Palästinensern sind so verhärtet, dass bislang jeder Versuch, das kleine Stück Land am Mittelmeer zu befrieden, gescheitert ist. Doch auch die israelische Gesellschaft ist geprägt von Gegensätzen. Während linke Israelis gemeinsam mit Palästinensern gegen die israelische Besatzungspolitik demonstrieren, ziehen immer mehr Juden in die wachsenden, jedoch von der internationalen Gemeinschaft als illegal deklarierten, Siedlungen im Westjordanland. Und säkulare, hippe Tel Avivi feiern im glitzernden Nachtleben der Küstenstadt, während ultra-orthodoxe Juden in Jerusalem ihr Leben dem Studium der Tora widmen. Ebenso unterschiedlich ist auch die Yogaszene in den beiden Städten.
In Tel Aviv, wo der Konflikt so weit entfernt scheint, wie in jeder europäischen Stadt, eröffnet ein Yogastudio nach dem anderen. Viele junge Israelis fahren nach dem verpflichtenden Armeedienst für längere Zeit nach Indien. Andere gehen zum Arbeiten oder Studieren in die USA. Dementsprechend sind in Tel Aviv fast alle Yogastile vertreten. Doch auch im weitaus konservativeren, religiösen Jerusalem werden Stunden angeboten. Zwar fasst Yoga hier sehr viel langsamer Fuß, doch hat sich mit dem so genannten „koscheren Yoga“ ein Stil heraus gebildet, der auch religiösen Juden erlaubt, Yoga zu üben (siehe Interview). Daneben findet man in der Heiligen Stadt auch überaus spirituell inspirierte Kundalini-Stunden.
Ich frage mich also: Kann die wachsende Beliebtheit von Yoga dazu beitragen, ein kleines bisschen mehr Liebe, Vertrauen und Mitgefühl zu schaffen, in einem Land, in dem sich die Menschen so sehr hassen und fürchten zugleich? Die Antwort lautet: Nein! Denn die Israelis glauben – bis auf wenige Ausnahmen – selbst nicht daran. Sie sind schlichtweg zu pragmatisch, um für möglich zu halten, dass es ausreicht, die eigenen Spannungen auf der Matte abzubauen, um einen Konflikt befrieden zu können, der so kompliziert ist, dass bislang noch keine Verhandlungsrunde entscheidende Fortschritte erzielen konnte. Vielleicht aber, greifen solche eher esoterischen Fragen aber auch in einem Konflikt in dem es um Leben und Tod geht einfach nur zu kurz.
Körperkult statt Sinnsuche
Fragt man Yogis und Yoginis in Israel nach der Auswirkung von Yoga auf die israelische Gesellschaft, blickt man in verständnislose Gesichter. Es scheint, als sei die Sinnsuche, die viele europäische und US-amerikanische Übende ins Yogastudio treibt, ein Phänomen, das auf die meisten Israelis nicht anwendbar ist. Hier begibt man sich in den meisten Fällen nicht um der spirituellen Reise ins Selbst willen auf die Matte, sondern weil Yoga den Körper stählt und nebenbei auch noch den Geist beruhigt. Besonders junge Tel Avivis sind oft extrem körperbewusst. Beim Feiern in den zahlreichen Bars und Clubs der Stadt zeigen sie viel Haut und die soll natürlich knackig sein. Sport wird in Tel Avivis deshalb nahezu obsessiv betrieben. Am Wochenende ist die Luft am Tel Aviver Stadtstrand erfüllt vom Klick-Klack der Beachball-Spieler, die Surfer warten in der Brandung auf die nächste gute Welle, Jogger laufen die Küste auf und ab und auf den zahlreichen Beachvolleyballfeldern werfen sich braun gebrannte junge Menschen dem Ball hinterher in den Sand. Kein Wunder, dass in vielen Tel Aviver Yogastudios besonders häufig das herausfordernde und schweißtreibende Asthanga Yoga praktiziert wird. Talks über ethische oder philosophische Fragen sucht man in den Tel Aviver Yogastudios vergeblich. Zwar sind die Yogastunden in Tel Aviv nicht explizit koscher, Chants und Meditationen finden hier trotzdem in der Mehrzahl der Studios nicht statt. Wer in Israel Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens will, sucht diese vermutlich nach wie vor in der Religion.
Aber auch wenn Bhakti Yoga, also das Yoga der Liebe, in Israel kein verbreitetes Konzept ist, so sorgen die vielen Studios immerhin dafür, dass Yogis auf Reisen nicht auf ihre Praxis verzichten müssen, wenn auch oft ohne spirituellen Hintergrund.
Ein Paradies für Vegetarier
Vegetarische oder vegane Ernährung ist in Israel kein Problem, auch wenn das Konzept bei vielen noch auf Unverständnis stößt. Die mediterrane Küche des Nahen Ostens ist traditionell reich an frischem Gemüse und Hülsenfrüchten. Die arabisch-israelischen Klassiker wie Hummus (Kichererbsenmus), Tahina (Sesampaste) und Falafel (frittierte Kichererbsenbällchen) sind allesamt vegan. Dazu gibt es in den meisten Restaurants eine Auswahl an diversen vegetarischen Vorspeisen (Mezze).
Zusätzlich macht die koschere, jüdische Küche das Reisen für Vegetarier in Israel einfach. Gemäß den religiösen Regeln der Halacha dürfen Fleisch und Milchprodukte nicht gemeinsam zubereitet, oder in einer Mahlzeit verspeist werden. Eine dritte Kategorie, die sich „parve“ nennt, und in die Gemüse, Getreideprodukte, Eier und Fisch fallen, gilt als neutral. Sie kann entweder mit „milchigen“ oder mit „fleischigen“ Speisen kombiniert werden, niemals jedoch mit beiden gleichzeitig. Koschere Restaurants haben also entweder Fleisch- oder Milchprodukte auf der Karte und „Milch-Restaurants“ sind abgesehen von den Fischgerichten immer vegetarisch.
Shalom Israel!
Yoga in Jerusalem
Koscheres Yoga
Power Yoga nach Baron Baptist. Herausforderndes, dynamisches Yoga mit integrierten Bauchmuskelübungen in einem freundlichen, hellen Studio, garantiert ohne Chants, Meditation und den Gebrauch von Sanskritbezeichnungen (siehe Interview). Alle Stunden auf Englisch, für Frauen und Männer getrennt, 50 NIS pro Stunde
Flow Power Yoga, Aviva Schmidt, Jabotinsky Str. 33, Rehavia, Jerusalem, +972 / (0)54 / 214 34 50
Vinyasa Yoga
Eli Rose absolvierte seine Yogalehrerausbildung vor zweiundzwanzig Jahren im Rudra Yoga Study Center im indischen Rishikesh. Mit Wärme, Charme und Packpackerflair unterrichtet er in einem Gemeindezentrum in Rehavia Vinyasa-Flow-Yoga mit Ashtanga und Iyengar-Einflüssen. Stunden auf Hebräisch, bei Bedarf mit englischen Ergänzungen, Probestunde 60 NIS
So-Do 18:30 und 20:00 Uhr, Fr 8:30 Uhr, Jerusalem Yoga, Eli Rose, Ussishkin Str. 38, Rehavia, Jerusalem, +972 / (0)52 / 34 52 920
Kundalini Yoga
Inspirierende und Kraft spendende Kundalini Yoga-Stunden nach Yogi Bhajan mit viel spirituellem Hintergrund, sowie Vinyasa-Yoga. Stunden bei Bedarf auf Englisch, weiße Kleidung und Kopfbedeckung in den Kundalinistunden erwünscht, Probestunde 30 NIS
Kundalini Yoga Jerusalem, Ha’Rav Berlin 33 B, Apt. 13, Rehavia, Jerusalem, +972 / (0)50 / 466 82 72, http://yogayoga.co.il/
Vegetarisch in Jerusalem
Gesunde Kantine
Zentral gelegen bietet das zweistöckige Restaurant an einer Selbstbedienungstheke vegane und vegetarische Suppen, Salate, Quiches, Pies und Burger sowie Kuchen an. Die Salatbar enthält eine große Auswahl an Sprossen, Samen und Kernen. An der warme Theke gibt es wechselnde Gemüse- Getreide- und Tofugerichte zum selbst zusammenstellen. Das freundliche Personal macht das wenig gemütliche Kantinenambiente wieder wett. z. B. Daal (26 NIS), Tofu-Spinat-Pie (32 NIS), Buchweizen-Soja-Burger (18 NIS), und Dattel-Nugat (8 NIS).
So-Do 9:00-22:00 Uhr, Fr 9:00-15:00 Uhr, Village Green, Jaffa Str, 33, Jerusalem, +972 / (0)2 / 62 530 65, www.village-green.co.il
Bollywood in Jerusalem
In einer Seitenstraße des Mehane Yehuda Marktes bietet das kleine indische Restaurant vegetarisch Thalis in verschiedenen Größen an. Über und über mit bunten Bildern von Yogis, Buddhas, Sonnenaufgängen und indischen Fernsehstars beklebt, zaubert der winzige Laden ein wenig Bollywoodflair in die Heilige Stadt. Die Gemüsegerichte, aus denen die Thalis bestehen, wechseln täglich und schmecken angenehm vielfältig und überraschend gewürzt. z.B. Thali Special mit vier verschiedenen Gemüsegerichten, Reis, Daal, Chutneys und Chai (49 NIS).
So-Do 8:00-20:00, Fr 8:00 bis eine Stunde vor Sabbatbeginn, Ichi Kidana, Ha Eshkol Str. 4, Mehane Yehuda Markt, Tel. +972 / (0)50 / 224 70 70
Yoga in Tel Aviv
Hip und Stylisch
Nur ein kleines Schild mit einer grünen Glühbirne und einem Yogi im Schulterstand weist auf den Eingang hin. Im ersten Stock bietet das stylische und Lichtdurchflutete Studio eine Vielzahl von geführte Asthanga und Vinyasa-Klassen, sowie Mysore Selfpractice Stunden an. Angenehmes Ambiente, hippe Tel Aviver Yogis, freundliche und kompetente Lehrer. Stunden auf Hebräisch, bei Bedarf mit englischen Ergänzungen, Probestunde 30 NIS
Go Yoga, Levontin Str. 7, erster Stock, +972 / (0)3 / 560 12 25, http://www.goyoga.co.il/
Purismus
Maya Gross gibt ausschließlich Asthanga-Stunden im Mysore Selfpractice Style nach Shri K. Pattabhi Jois - an sechs Tagen der Woche jeweils abends und morgens. Ruhiges, behagliches Studio im Souterrain, individuelle Hilfestellung angepasst an die Bedürfnisse der Schüler, individuelle Anleitung auf Englisch, Probestunde 50 NIS
Be Yoga, Gordon Str. 53, Tel Aviv Nord, +972 / (0)52 / 86 83 444, http://www.beyoga.co.il/english.jsp
Ashtanga Only
Ein kleines Yogastudio versteckt hinter Rollläden mitten im Flohmarkt von Jaffa – dem arabischen und mittlerweile ziemlich angesagten Teil von Tel Aviv. Mysore und geführte Asthangastunden, sowie spezielle Technikklassen mit verschiedenen Lehrern, Stunden bei Bedarf auf Englisch, Probestunde 50 NIS
Yoga Shala, Rabbi Nachmann Str. 4, Jaffa, im Flohmarkt, +972 / (0)54 / 78 69 828, www.yogashala.co.il
Behutsam
Anat Zahor ist zertifizierten Iyengar-Lehrerin. In ihrem kleinen Studio im Souterrain legt sie Wert auf die korrekte Ausführung der einzelnen Asanas und nimmt sich Zeit, um die einzelnen Posen durch die Unterstützung von Hilfsmitteln aufzubauen. Stunden auf Hebräisch, bei Bedarf mit Englischen Ergänzungen, Probestunde 50 NIS
Yoga Studio, Yosef Hanasi Str. 5, Zentral Tel Aviv, Nähe Sheinkin Str., +972 / (0)3 / 620 22 20, www.yoga-studio.co.il
Vegetarisch in Tel Aviv
Lieblingsladen
Der überzeugte Veganer Arie Rave wollte ein veganen Imbiss aufmachen, wie er sie in New York viele Male gesehen hat. Das Ergebnis ist ein voller Erfolg. Die abwechslungsreiche Karte bietet leckere Burger, Tortilla Rolls, Wraps, Salate, Säfte, Shakes, Kuchen und andere Nachspeisen von denen man nicht genug bekommen kann. Besonders lecker: Schnitzel-Burger oder Classic Burger mit einem Patty aus Linsen und Pilzen (regular 23 NIS, double 30 NIS), Hot Mushroom Salat (36 NIS), Ginger Ale (Apfelsaft, Ingwer und Mineralwasser). Einsame Spitze!
So-Do 11:00-24:00 Uhr, Fr 11:00-17:00 Uhr, Sa von Sabbatende bis 24:00 Uhr, Buddha Burgers, Yehuda HaLevy Str. 21, +972 / (0)3 / 510 12 22, Tel Aviv Süd, www.buddhaburgers.co.il
Welcome to India
In einer unwirtlichen Straße im Süden Tel Avivs wo Shapira, Florentin und Jaffa aufeinander treffen, führte eine leicht zu übersehende Eisentür in den ersten Stock. Oben angelangt, hat man Israel verlassen und befindet sich plötzlich in Indien. Ohne Schuhe kann man auf den zahlreichen Kissen, Couchen und Polstern Platz nehmen und Thalis in verschiedenen Größen (27 bis 38 NIS) mit den täglich frisch zubereiteten Gemüsegerichten genießen. Räicherstäbchen-Atmosphäre, freundlicher Service, moderate Preise.
So-Do 12:00-24:00 Uhr, Fr 12:00-17:00 Uhr, 24 Rupee, Shoken Str. 14-16, Tel Aviv Süd, +972 / (0)3 / 68 18 066, www.24rupee.com
Bio-Hummus
In dem kleinen, lang gezogenen Imbiss sind alle Gerichte vegan und mit Zutaten aus biologischem Anbau zubereitet. Auf der Karte stehen die Israelischen Klassiker Hummus, Tahina und Falafel. Darüber hinaus gibt es Hauptgerichte wie Aba Gil’s Variety Plate (Quinoa, Vollkornreis, vegane Quiche und täglich wechselnden Gemüsegerichten, plus Getränk, 42 NIS), sowie diverse Salate, Shakes und Süßspeisen. Reichhaltig und lecker.
So-Do 11:00-17:30 Uhr, Fr 11:00-15:00 Uhr, Aba Gil, Yehuda HaLevy Str. 55, Tel Aviv Süd, +972 / (0)3 / 566 33 20, www.abagil.com
Spirituell
Eine kleine Erweckungsgemeinde afro-amerikanischer Israeliten stellt in Dimona in der Negev-Wüste in einer Kibbutzeigenen Fabrik Tofu- und Seitanprodukte her. Ihren veganen Lebensstil leiten die Kibbutzbewohner aus der Bibel her. In dem kleinen, etwas sterilen Laden in Tel Aviv verkaufen sie ihre selbst gemachten Speisen. Darunter Sandwichs, Burger und Pfannengerichte (24 bis 27 NIS), sowie Rohkost- und Getreidesalate (12 bis 23 NIS). Skurril, aber lecker.
So-Do 10:00-21:00 Uhr, Fr 10:00-14:00 Uhr, Taste of Life, Ben Yehuda Str. 35, Zentral Tel Aviv, +972 / (0)3 / 51 68 906, www.tasteoflifeisrael.com
Gesundheitsbewusst
Das apfelgrüne Restaurant im Zentrum Tel Avivs ist nicht explizit vegetarisch. Die Karte ist jedoch Vegetarier- und Veganerfreundlich. Die meisten Gerichte und Salate sind asiatisch inspiriert, bestehen aus frischen Zutaten und kurz angebratenem Gemüse und können wahlweise mit Tofu bestellt werden. Dazu gibt es eine große Auswahl an frisch gepressten Frucht- und Gemüsesäften, sowie (Soja-)Shakes. Zum Beispiel Asian Tofu Salat (Reisnudeln, Sprossen, Salat, Tofu, Erdnüsse, klein 34 NIS, groß 42 NIS) und Anti-Aging-Saft (Granatapfelsaft, Cranberries, Apfel und Dattelhonig, 20 NIS).
So-Do 8:00-22:30 Uhr, Fr 8:00-17:00 Uhr, Sa 10:00-22:30 Uhr, Fresh kitchen, Ben Yehuda Str. 77, Tel Aviv Nord, +972 / (0)3 / 52 92 687
Veganer Wein
Die Winzerei Tishbi in der Nähe von Haifa produziert ausschließlich koschere und vegane Bioweine. Dem Wein werden also keine tierischen Klärstoffe wie zum Beispiel Gelatine oder Eiweiß zugefügt. Die Rot- und Weißweine des Familienbetriebs sind in ganz Israel erhältlich.
Tishbi Estate Winery, Binyamina Nord, +972 / (0)4 / 62 88 195, www.tishbi.com
