Vegan in New York

Vegan in New York City

ny_cup_thumbVerstört und sprachlos verlasse ich den Supermarkt. So viel Auswahl! Sofort etwas zu kaufen, schaffe ich nicht. Über dieses unglaublich große Angebot muss ich erstmal eine Nacht schlafen. Erst bei meinem zweiten Besuch im doppelstöckigen Wholefoods Biomarkt am New Yorker Union Square wage ich den Versuch. Nach einer guten halben Stunde aufmerksamen Studiums der gefühlten fünfzig Sorten greife ich zaghaft eine Schale Kichererbsen-Hummus mit gegrillter Paprika und eine Packung mit Tofurky-Scheiben aus Seitan, Geschmacksrichtung „Italienische Kräuter“, aus dem Kühlregal. Den abgepackten „Braten“ aus Seitan, gefüllt mit Esskastanienmuss für das vegane Thanks Giving, ignoriere ich geflissentlich. Ebenso wie die Tofutaschen mit Gemüsefüllung für die Mikrowelle. Vor einem riesigen Regal mit frischem Gebäck fische ich nach einem Pumpernickel-Bagel und einem veganen Blaubeer-Muffin und mache mich mit meinen Errungenschaften auf den Weg zur Kasse. Draußen, vor dem Geschäft, atme ich erstmal tief durch. Mir ist, als hätte ich eine große Anstrengung hinter mich gebracht. Schon seit Jahren hatte ich mich beim Lebensmittelkauf nicht mehr zwischen so vielen Auswahlmöglichkeiten entscheiden müssen. Als ich meinen Mittags-Imbiss auf den Stufen des belebten Union Square verzehre, denke ich über das Erlebte nach:

Als europäische Veganerin bin ich es gewohnt, dass mir keine große Auswahl bleibt. Im deutschen Biosupermarkt kenne ich meine kleine Sektion mit veganen Nahrungsmitteln. In normalen Supermärkten herrscht aus veganer Sicht ein absolutes Mangelangebot. Blendet man alle nichtveganen Lebensmittel aus, sind die Regale hier so gut wie leer. Veganismus in Deutschland ist selbstverordneter Ernährungs-Sozialismus. Noch schlimmer ist es meist im Urlaub. Ohne ein gehöriges Maß an Organisations- („Schatz, hast Du die Sojamilch eingepackt?“) und Leidensfähigkeit („Ich hätte gerne einen gemischten Salat mit Essig und Öl.“) kommt man oft kaum über die Runden.

New York dagegen ist ein veganes Paradies. Nirgends auf der Welt – außer vielleicht in San Francisco oder London – dürfte es ein reichhaltigeres Angebot an veganen Restaurants, Läden und Produkten geben. Selbst am New Yorker Flughafen findet man eine kleine Sektion mit „Health Food“, die veganes Essen führt. Kein Wunder, leben doch laut einer Studie des Vegetarian Yournal von 2006 1, 3 % der US-Amerikaner vegan. Stimmt diese Zahl, währen das fast vier Millionen vegane Amerikaner. Und die leben vermutlich nur selten im Mittleren Westen. Mit diesen Zahlen korrespondiert auch die Dichte an Yogastudios in den USA. Laut der Studie „Yoga in America“ von 2008 üben knapp sieben Prozent der US-Amerikaner in irgendeiner Form Yoga. Das entspricht knapp 16 Millionen US-amerikanischen Yogis. Laut dem Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) praktizieren hierzulande lediglich drei Millionen Menschen Yoga. Auf beiden Seiten des Atlantiks werden es jedoch immer mehr. Die Veganerdichte ist in Deutschland im Vergleich zu den USA ebenfalls ziemlich niedrig. Laut der Nationalen Verzehrstudie II von 2008 ernähren sich in Deutschland lediglich 0,1 % der Frauen und 0,05 % der Männer vegan. Kein Wunder also, dass Verfügbarkeit und Angebot in US-amerikanischen Großstädten um so ein Vielfaches größer sind, als bei uns.

Statt der sonst üblichen Tipps für den veganen Überlebenskampf, bedarf es in New York also eher einer Orientierung in der veganen Überflussgesellschaft. Die folgende Liste soll Helfen, sich bei einer Reise zum Big Apple ein wenig besser zurechtzufinden.

Morgens

Quantum Leap

Zum Wochenendbrunch (Samstag und Sonntag) serviert der kleine Laden mit den roten Backsteinwänden zwischen 11.30 und 16.00 Uhr vegetarische Vollkornpfannkuchen und Waffeln mit Ahornsirup, Früchten oder gebratenem Tofu ($ 9,50), sowie vegane Maispfannkuchen ($ 10,50). Darüber hinaus gibt es verschiedene vegetarische und einen veganen Frühstücksteller. The Vegans Choice besteht aus gebratenem Tofu, gegrilltem Gemüse, Hash Browns und Weißentoast ($ 8,95). Alle veganen Gerichte sind auf der Karte gesondert ausgewiesen. Ungewöhnlich: Quantum Leap bietet zusätzlich auch Fischgerichte an. Mittags und Abends wird eine große Auswahl an vegetarischen und veganen Burgern und Sandwichs, sowie Tofu- und Seitangerichten serviert. Empfehlung: Soja-Nuggets mit Chipotle-BBQ-Sauce ($ 5,95), Walnuss-Linsen-Burger mit gebratenem Gemüse und veganem Käse ($ 10,50) und Berries Delight Smoothie ($ 3,95).

226 Thompson St., East Village, Manhattan oder 203 1st Ave, East Village, Manhattan, Mo – So, 11.30 – 23 Uhr, Lieferservice möglich, www.quantumleaprestaurant.com

Bagels on the Square

Ein klassischer amerikanischer Bagelladen mit großer Auswahl an verschiedenen Bagels, Aufstrichen und Belagmöglichkeiten, darunter vier Sorten veganer Frischkäse, z.B. Pumpernickel Bagle mit Sundried Tomato Tofutti. Yummy!

7 Carmine St., Washington Square, Manhattan, 24 Stunden geöffnet

Tagsüber

Body and Soul

Der Bauernmarkt auf dem Union Square ist an jedem Tag (Mo, Mi, Fr, Sa) einen Besuch wert. Montags und Freitags darf man ihn jedoch auf keinen Fall verpassen. An einem kleinen Marktstand verkaufen freundliche Hippies köstliche vegane Backwaren, wie Muffins, Scones (süße Brötchen), herzhafte Wraps und Blätterteigtaschen und süßes Plundergebäck. Empfehlung: Bananen-Walnuss-Muffins. Great!

Union Square Bauernmarkt, auf dem Platz zwischen 17th St und Union Sq West bzw. Broadway, Manhattan, Mo und Fr, 8.00 – 18.00 Uhr

Bonobo’s

Yogi Dharma Mittras erklärtes Lieblingsrestaurant in New York serviert ausschließlich vegane Raw Food-Gerichte. Die Speisen in dem langgezogenen, leider wenig gemütlichen Imbiss  bestehen ausschließlich aus Früchten, Gemüse, Nüssen und Samen und schmecken so gut, dass man am liebsten jeden Tag dort essen möchte. Ein gemischter Teller mit Rohkostsalaten aus der reichhaltig bestückten Vitrine kostet $13. Das gut gelaunte Personal reicht unentschlossenen Gästen kleine Löffel zum probieren. Darüber hinaus gibt es Suppen, wechselnde Tagesgerichte und geeißte Fruchtjogurts. Wer mutig ist, probiert das hausgemachte Durian (Stinkfrucht)-Eis. Achtung: Manche Salate enthalten Knoblauch. Ungewöhnlich: Wenn viel los ist, muss man am Eingang eine Nummer ziehen – ein wenig deutsches Behördenflair mitten in New York! Empfehlung: „Kuchen“ aus getrockneten Datteln und Nüssen, gefüllt mit Blueberry Frozen Yoghurt, dazu ein hausgemachter Kokusnuss-Chai, genossen bei schönem Wetter in nahen Park. Perfekt!

18 East 23rd Street, am Südende des Madison Square Park, Manhattan, Mo – Sa, 11.30 – 20 Uhr, www.bonobosrestaurant.com

Jivamuk Tea Café

Um in das gemütliche Tagescafé zu gelangen, muss man zunächst das Yogacenter im zweiten Stock durchqueren. Dahinter verbirgt sich ein heller Raum mit langen Holztischen und gutgelauntem Personal. Bei diversen veganen Suppen, Sandwichs und Burritos, ausladenden Salatschüsseln, köstlichen Desserts und wechselnden Tagesgerichten, oder einfach nur mit einem der zahlreichen Tees oder einer Tasse Kaffee kann man hier nach der Yogastunde wieder zu Kräften kommen, oder aber dem hektischen New Yorker Alltag entfliehen. Alle Speisen und Getränke werden an der offenen Theke frisch und mit viel Liebe zubereitet. Empfehlung: Burro Diabolo (Burrito mit Salat, Tomate, Avocado, Seitan und Pesto) für $ 11 und danach eine Stück vegane Erdbeer-Sahne-Torte ($ 6).

Jivamukti Yoga Center, 841 Broadway, Zweiter Stock, Nähe Union Square, Manhattan, Mo – Fr, 11.00 – 21.00 Uhr, Sa – So, 11.00 – 18.00 Uhr, www.jivamuktiyoga.com/

Lula’s Sweet Apothecary

In dieser vagenen Eisdiele im Stil einer alten Apotheke werden süße Träume war! Zu Rock und Countrymusik kann man sich hier gemäß des amerikanischen Mottos „Viel hilft viel“ Eisbecher und Waffeln (auch glutenfrei!) aus zahlreichen hausgemachten unglaublich cremigen Eissorten, Saucen und Toppings zusammenstellen. Die Kugel kostet $ 3,75, einen Eisbecher mit zwei Kugeln Eis, einer Sauce und einem Topping nach Wahl, mit Schlagsahne und Kirschen (!) gibt es für $ 6,45. Das ist fast zu schön, um wahr zu sein! Empfehlung: So oft hingehen, bis man alles gekostet hat und dann wieder von vorne anfangen!

516 East Sixth Street, zwischen den Avenues A und B, East Village, Manhattan, Di, Mi und So 15.00 – 22.00 Uhr, Do – Sa 15.00 – 22.30 Uhr, www.lulassweetapothecary.com

‘sNice

Das perfekte Café für einen faulen Nachmittag in Brooklyn. Bei schönem Wetter kann man draußen Sitzen, bei schlechtem Wetter dem Regen vor den großen Fenstern zusehen und sich die Finger an einer heißen Tasse Kaffee wärmen. Das Personal hinter der Selbstbedienungstheke ist jung und hip, wie es sich für Brooklyn gehört und nimmt Bestellungen für diverse vegetarische und vegane Sandwichs, Panini, Salate und variierende Tagesgerichte entgegen. Auch hier gibt es veganes Frühstück, wie z.B. ein gegrilltes Nutella-Bananen-Sandwich ($ 4) oder ein Wrap mit Tofu „Rührei“ ($ 5), sowie eine wechselnde Auswahl an hausgemachten Kuchen und Keksen. Empfehlung: Sesam „Hühnchen“ Sandwich mit scharfer Erdnusssoße und Thaisalat ($ 7,50).

315 5th Ave, Park Slope, Brooklyn, Mo – Fr, 7.30 – 22 Uhr, Sa – So, 8.00 – 22 Uhr

Wholefoods Market

In den mittlerweile sieben Wholefoods Biomärkten in New York (Bowery, Chelsea, Columbus Circle, Tribeca, Union Square und Upper West Side) finden Veganer mehr als ausreichend Nahrungsmittel, um sich eine üppige Mahlzeit zuzubereiten. Selbst einen abgepackten Seitan-„Braten“, gefüllt mit Esskastanienmus für Thanks Giving findet man hier. Zusätzlich bietet jeder Markt ein großes Selbstbedienungsbuffet mit kalten und warmen Speisen, die nach belieben ausgewählt und nach Gewicht bezahlt werden ($ 7,99 je 500 Gramm). Vegane Gerichte sind gesondert beschildert. Empfehlung: Veganer „Hühnchen“-Salat mit Soja-Majonäse. Macht süchtig!

z.B. 4 Union Square South, Manhattan, Mo – So, 8.00 – 23.00 Uhr, www.wholefoodsmarket.com

Abends

Blossom

Bereits zwei Mal wurde das in schwarz gehaltene, zweistöckige Restaurant vom New Yorker Stadtmagazin Time Out zum besten vegetarischen Restaurant New Yorks gekürt und diesen Ruf trägt es nun vor sich her. Ohne Reservierung bekommt man nur selten einen Platz, das zuvorkommende Personal sorgt für einen erstklassigen Service und die rein veganen Gerichten orientieren sich an der Haute Cousine. Leider sind die sowohl europäischen als auch aus der neuen Welt stammenden Wein nur mit viel Wohlwollen genießbar. Dafür schmeckt das Essen umso besser. Empfehlung: Gefüllte Süsskartoffel-Röllchen ($ 12), Portwein Seitan ($ 22) und Lavendel-Crème Brulée ($ 10).

187 Ninth Ave, Ecke Neunte Avenue und 21st St, Manhattan, Mo – Fr 17.00 – 22.00 Uhr, Sa 17 – 22.30 Uhr, So 17 – 21.30 Uhr, Ab einem Bestellwert von $ 25 auch Heimservice, www.blossomnyc.com

Wild Ginger

Ein kleines, schummriges Restaurant für einen entspannten Abend. Auf der Karte finden sich sämtliche Klassiker der japanischen, chinesischen, vietnamesischen, malaysischen, koreanischen und Thai-Küche – vollständig vegan. Darüber hinaus gibt es asiatisch inspirierte Eigenkreationen. Alle Hauptgerichte werden wahlweise mit Misosuppe oder kleinem Salat serviert. Ungewöhnlich: Es gibt eine zusätzliche Karte für glutenfreie Gerichte. Empfehlung: Am besten mit mehreren Leuten kommen, damit man mehr probieren kann! Die Auswahl ist einfach zu groß!

380 Broom St, zwischen Mott St und Mulberry St, Little Italy / Nolita, Manhattan, Mo – Do, 11.30 – 22.30 Uhr, Fr – Sa, 11.30 – 23.00 Uhr, So 12.30 – 22.30, www.wildgingervegan.com

Zen Palate

Was von Außen aussieht, wie ein asiatischer Schnellimbiss, entpuppt sich nach der Durchquerung der Küche (!) zu einer kleinen veganen Feinschmeckeroase. Sowohl Mittags, als auch Abends servieren die beflissenen Kellner eine große Auswahl an asiatisch inspirierten Gerichten, darunter brutzelnde gusseiserne Pfannen mit frischem Gemüse und Seitan à l’orange (Sizzeling Medallons, $19,25) oder cremig-würzigen Auberginenstücken mit gebratenem Tofu (E.T., $ 18,50). Teuer, aber jeden Penny wert! Tagsüber sind die Gerichte etwas günstiger und es stehen zusätzlich Burger und  Wraps mit Yuka-Pommes auf der Karte. Empfehlung: Banana Bliss ($ 5,25), ein himmlischer Bananenkuchen, der garantiert zur Glückseligkeit führt!

663 Ninth Ave, Ecke 46th St, Theater District, Manhattan, oder 104 John Street, Financial District, Manhattan, www.zenpalate.com

Literatur

Auf der Internetseite http://supervegan.com/ sind alle veganen Restaurants, Bars, und Cafés in New York aufgelistet und bewertet. Die zahlreichen Leserbewertungen erleichtern die Auswahl.

Der Vegan Guide to New York City erscheint seit 1994 und wird regelmäßig aktualisiert. Er ist eine gute Hilfe, um sich einen ersten Überblick über die zahlreichen veganen und vegetarischen Restaurants in New York zu verschaffen. Gleichwohl ist der Guide nicht immer zuverlässig. Bisweilen stimmen die Adressen der Restaurants nicht mit den angegebenen Stadtteilen überein. Einige Restaurants existieren nicht mehr (wie zum Beispiel Zen Burger, 465 Lexington Ave). Ein Blick ins Internet zur Überprüfung der angegebenen Daten ist also ratsam.

Rynn Berry / Chris Abreu-Suzuki / Barry Litsky (2009): „The Vegan Guide to New York City“, $ 9,95

Events

Solstice on Times Square

Zur Sommersonnwende am 21. Juni kapern die New Yorker Yogis einen Teil des Times Square. Wer sich im Internet rechtzeitig (kostenlos) registriert, kann dann in Manhattans pulsierendem Herz unter freiem Himmel Yoga üben.

www.timessquarenyc.org

(Yoga Journal, Ausgabe 06, November/Dezember 2009)