Konzept
Keine Frage, wer elektronische Musik mag kommt in dieser Stadt
musikalisch gesehen vermutlich auf seine Kosten. Eine ganze Reihe Clubs
bieten ein populaeres und hochwertiges Programm, welches jedoch
manchmal die Freude am Experimentieren vermissen laesst. Auch das
Ambiente ist gepraegt von Ansichten und Verhaltensweisen, die einem das
Wohlfuehlen in den Funky-Woanders-Klein-Registraturen nicht gerade
erleichtern.
Abendgestaltung in Clubs hat sehr viel mit
Selektion zu tun. Wer nicht einem aeusseren entspricht, das den
Anforderungen der "Szene" gerecht wird, scheitert oft schon an der
Tuer. Das faengt bei Alter und Kleidung an und endet bei Hautfarbe oder
Muttersprache. Nicht zuletzt werden viele Clubs beherrscht von einem
gestelzten Publikum, bei dem es oft darum geht, moeglichst cool, sexy,
feminin, maskulin oder wie auch immer zu wirken. Offenheit ist in
diesem Kontext relativ, offen wird oft eben nur denen begegnet, die den
eigenen Vorstellungen von "angesagt sein" entsprechen. Zudem bleiben
viele Menschen aus finanziellen Gruenden von einem Grossteil des
Nachtlebens ausgeschlossen. Gruende fuer hohe Eintritts- und
Getraenkepreise sind aber eben nicht nur die vorhandenen oekonomischen
Zwaengen der BetreiberInnen. Hohe Preise suggerieren eben auch
Exklusivitaet und schliessen (oft als unbequem angesehene) arme
Menschen aus.
Auch wenn wir diesen Mechanismen ein Stueck weit
entgegentreten wollen, heisst das trotzdem nicht, dass wir uns ihnen
vollends entziehen koennen. Um unsere entstehenden Kosten zu decken und
Moeglichkeiten fuer zukuenftige Projekte zu bekommen, kosten auch
unsere Veranstaltungen Eintritt. Ein eventueller monetaerer Gewinn soll
allen Beteiligten zu Gute kommen. Auch wir behalten uns natuerlich vor,
in Einzelfaellen Menschen auszuschliessen, die andere belaestigen oder
einschraenken. Doch dies bleibt wie sich auch in der Vergangenheit
gezeigt hat die Ausnahme. Wir moechten Freizeitgestaltung ein Stueck
jenseits von marktwirtschaftlichen Interessen, gesellschaftlichen
Vorstellungen und Erwartungshaltungen beleben. Wir moechten Raum
erschliessen, in dem Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen
Bereichen zusammen kommen koennen, um zu feiern und dabei vielleicht
ein wenig soziale Zwaenge und Regeln ueber Bord zu schmeissen. Es geht
uns nicht darum, "angesagter" zu sein als irgendeine andere Location,
sondern wir wollen bewusst anders sein.
Auch eine
Rollenverteilung im Sinne von KuenstlerIn, Thekenkraft, OrganisatorIn,
BesucherIn etc. wollen wir unterwandern. Hier sollen auch die
BesucherInnen sich mit Ideen einbringen. Formen der Beteiligung koennen
schriftliche und muendliche Meinungen und Vorschlaege sein, sowie
Mitgestaltung zum Beispiel durch auftreten, auflegen, visualisieren,
verkaufen und saubermachen.
Zu einer Diskussion ueber
Konsumverhalten, Kultur und Kulturkritik, als auch zur Vernetzung
verschiedener Menschen und Projekte laedt die Website www.volxvergnuegen.org
herzlich ein. Diese Internetseite soll zum einen dazu dienen, Werbung
fuer unsere Veranstaltungen zu machen. Unser Schaffen soll transparent
sein. Zum anderen hoffen wir, eine Diskussion ueber Kultur und
Kulturkritik anzuregen. Letztlich koennte die Seite auch ein Mittel der
Vernetzung verschiedener Menschen und Projekte sein.
(Erstes Konzept von 2005 - Überarbeitung ist in Planung...)